Mein Marathon war ein „Mut-mach-Lauf“

Pro Sternschnuppe

Laura Hilber erzählt im Interview, wie es kam, dass sie dieses Jahr - 20 Jahre nach ihrer Wunscherfüllung - den Marathon in Berlin gelaufen und damit für die Sternschnuppe Spenden gesammelt hat.

Laura Hilber, Sie waren einst selber ein „Sternschnuppe-Kind“. Warum?
Als ich sieben oder acht Jahre alt war, hatte ich Knochenkrebs und war lange im Kinderspital Zürich. Dort wurde ich auf die Sternschnuppe aufmerksam gemacht.

Es ist also über 20 Jahre her, seit die Sternschnuppe Ihnen einen Herzenswunsch erfüllt hat. Welche Erinnerungen haben Sie daran?
Ich durfte im offenen Meer mit Delfinen schwimmen. Ich erinnere mich daran, dass ich zuerst panische Angst vor den Tieren hatte (lacht). Es hat eine Weile gedauert, bis überhaupt Delfine zu mir geschwommen sind. Das fand ich dann aber sehr schön.

Welche Bedeutung hatte die Wunscherfüllung für Sie damals und im späteren Leben?
Die Aussicht auf die Erfüllung meines Herzenswunsches war das Grösste für mich. Ich hoffte, dass die Behandlungen schnell vorübergehen, damit der Tag der Wunscherfüllung rascher da ist. Das Wissen, dass mein Traum Wirklichkeit wird, war rückblickend wichtiger als das Wunscherlebnis an sich. Dieses Wissen gab mir Kraft und war ein Lichtblick im langen Spitalalltag. Die Wunscherfüllung hat dazu beigetragen, mein Trauma der Krankheit in etwas Positives zu wandeln.

Auch heute ist die Erinnerung an die Wunscherfüllung noch präsent. Die Sternschnuppe ist die Organisation, für die ich am meisten spende.

Hat Ihre Krankheit Ihr Leben verändert? Falls ja, inwiefern?
Ich hatte wohl schon damals einen starken Willen. Mit der Chemotherapie wurde mein Immunsystem lahmgelegt. Ich war anfällig für allerlei Krankheiten, weshalb ich viele Tabletten schlucken musste. Mit der Zeit habe ich eine grosse Wut auf diese Tabletten entwickelt, so dass ich sie einfach abgesetzt habe. Ich war davon überzeugt, dass ich ohne sie gesund bleiben würde, was offensichtlich klappte. Diesen starken Willen habe ich bis heute behalten.

Diesen Eindruck haben wir auch … kürzlich sind Sie den Marathon in Berlin gelaufen und haben damit Spenden für die Sternschnuppe gesammelt. Welche Motivation steckte für Sie dahinter?
Ich glaube, ich wollte damit mir selbst und anderen beweisen, dass man Grosses erreichen kann, auch wenn es einem nicht so gut geht. Aufgrund meiner damaligen Erkrankung musste mir ein Teil der Lunge entfernt werden. Ausserdem wurden die Knochen in der linken Schulter und im Oberarm durch eine Prothese ersetzt. Heute ist mein linker Arm kürzer, weil er nicht mehr gewachsen ist. Und beim Sport habe ich wegen dem kleineren Lungenvolumen mehr Probleme als andere. Doch ich wollte zeigen, dass ich dennoch einen Marathon laufen kann. Ich bin auch für all jene gelaufen, denen es nicht so gut geht. Mein Lauf war somit eine Art „Mut-mach-Lauf“.
    
Zur Person
Laura Hilber ist 30 Jahre alt. Sie hat an der Uni St. Gallen Wirtschaft studiert und arbeitet bei einer Privatbank im Währungshandel. Die Narben an ihrem Arm erinnern an den Knochenkrebs, an dem sie als Kind erkrankte. Wenn sie noch einmal einen Herzenswunsch äussern dürfte, würde sie sich nichts für sich selbst wünschen, sondern, dass einem Kind etwas Gutes getan wird. Mit dem Marathonlauf, mit dem sie Spenden für die Sternschnuppe sammelte, hat sie diesen zweiten Wunsch realisiert.



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